Creator Spotlight: Murph Studio
Murph Studios FOOH-Arbeit beginnt mit Beobachtung — alltägliche Momente entdecken, die bereits komponiert wirken, und sie dann mit Zurückhaltung und Intention durch CGI erweitern.

Murph Studios erstes FOOH-Projekt war nicht als Kampagne geplant. Während Gründerin Ana Carolina Barbosa in Barcelona auf einen Flug wartete, filmte sie eine perfekt symmetrische Straße von oben und integrierte später eine Handtasche, die sie gerade entworfen hatte — animiert wie ein Auto, mit subtilen Soundeffekten. Was als entspannter Test begann, wurde zum Einstieg des Studios in die FOOH-Welt.
Seitdem konzentriert sich Murph Studio darauf, CGI in realen Umgebungen natürlich wirken zu lassen — mit Fokus auf Integration, Klarheit und Ton statt auf bloßes Spektakel. Diese Herangehensweise zeigte sich auch in ihrem bisher größten FOOH-Projekt: einer Launch-Kampagne für die brasilianische Accessoires-Marke Chenson, die auf Instagram fast 140.000 Aufrufe erreichte.
Heute entdecken Kunden Murph Studio meist über soziale Sichtbarkeit und Mundpropaganda. Das Studio arbeitet mit Tools wie Blender, Cinema 4D, After Effects und DaVinci Resolve, während KI hauptsächlich in der Vorproduktion zur Konzeptvalidierung und Erwartungsabstimmung eingesetzt wird.
Das vollständige Interview mit Ana Carolina Barbosa findest du unten.
Interview Q&A
Wie bist du zu FOOH/CGI gekommen? Was war dein erstes FOOH-Projekt?
Mein erstes FOOH-Projekt entstand aus einem sehr entspannten Experiment. Ich wartete in Barcelona auf einen Flug und filmte die Straße von oben — sie war sehr symmetrisch, mit einem klaren, linearen Verkehrsfluss, was sie perfekt zum Testen einer Idee machte. Als ich nach Hause kam, nahm ich eine Handtasche, die ich gerade in CLO entworfen hatte, und animierte sie wie ein Auto, das durch die Straße fährt. Ich fügte einfache Soundeffekte wie Hupen hinzu, und das Ergebnis wirkte überraschend natürlich und spaßig. Dieses Experiment wurde schließlich mein erstes FOOH-Projekt.
Was war dein bisher größtes Projekt? (Marke, Aufrufe usw.)
Im Bereich FOOH war mein bisher größtes Projekt für Chenson, eine brasilianische Accessoires-Marke. Es wurde als Teil der Launch-Kampagne für eine neue Kollektion erstellt und erreichte über 139.900 Aufrufe auf Instagram. Es spielte eine wichtige Rolle bei der Steigerung von Sichtbarkeit und Engagement.
Wie finden dich neue Kunden meistens?
Hauptsächlich über die Präsenz auf Plattformen wie Instagram und LinkedIn. Mundpropaganda bringt ebenfalls neue Kunden, besonders nach Projekten, die gut performen oder Launches, die reibungslos laufen. Welche Tools/Softwares verwendest du für deine CGI-Projekte? Für CGI-Arbeit nutze ich hauptsächlich Blender, Cinema 4D, DaVinci Resolve und After Effects. Jedes Tool dient einem anderen Zweck, je nach Komplexität und Anforderungen des Projekts.
Welche Tools verwendest du für FOOH?
Der FOOH-Workflow ist ziemlich ähnlich. Blender ist mein Haupttool für die 3D-Integration, After Effects für Compositing und Effekte, und manchmal Cinema 4D je nach Asset oder Animationsstil. Das Setup passt sich immer dem Projekt an.
Wie bleibst du authentisch und nahbar, während sich das digitale Engagement weiterentwickelt?
Ich glaube, Authentizität entsteht durch die kontinuierliche Verfeinerung des eigenen Ästhetik- und Kreativgefühls. Ich beobachte den Markt genau und lasse mich vom Alltag, Fotografie, Design und Recherche inspirieren — aber Experimentieren ist entscheidend. Je mehr du ausprobierst, desto klarer wird deine kreative Identität. Es geht wirklich darum, informiert zu bleiben und gleichzeitig dem treu zu bleiben, was sich für dich originell anfühlt.
Hast du KI-Tools in deinem Konzept- oder Produktions-Workflow ausprobiert?
Nicht direkt bei der FOOH-Erstellung, aber ja — wir nutzen KI-Tools in der Vorproduktion. Sie sind besonders hilfreich für die Konzeptvalidierung und um frühzeitig Erwartungen mit Kunden abzustimmen. Das allein kann den kreativen Prozess erheblich beschleunigen.
Siehst du KI in den nächsten 1–2 Jahren eine größere Rolle im FOOH oder CGI spielen?
Absolut. KI ist bereits Teil des Prozesses, und das wird sich nicht ändern. Die Herausforderung besteht darin, dass sich die Tools so schnell weiterentwickeln, dass es schwer vorherzusagen ist, wie die Dinge schon in einem Jahr aussehen werden. Im Moment experimentieren und adaptieren wir alle noch.
Wie bleibst du zwischen kommerziellen Projekten inspiriert?
Indem ich auf die alltägliche Schönheit achte — Licht, Textur, Komposition, kleine Momente. Ich nehme viele Referenzvideos auf, auch wenn ich gerade an nichts Bestimmtem arbeite. Ich konsumiere auch viel Kunst: Filme, Fotografie, Ausstellungen. Sie wecken Ideen nicht nur visuell, sondern auch konzeptuell. Wenn ich mich in einer intensiveren Lernphase befinde, tauche ich in technische und kommerzielle Referenzen ein, um zu verstehen, wie Dinge umgesetzt wurden und wie ich dieses Wissen anwenden kann.
Was wird bei FOOH oft missverstanden?
Viele Menschen unterschätzen, wie viel Zeit, Handwerk und Problemlösung in einem starken FOOH-Video stecken. Da das Ergebnis nahtlos wirken soll, kann es einfach oder schnell aussehen — aber hinter den Kulissen stecken kreative Direktion, Modellierung, Animation, Rendering, Compositing, Sound Design und Storytelling. Es ist vielschichtige und komplexe Arbeit.
Wo siehst du gerade die größte Herausforderung für kreative Studios?
Originalität mit Effizienz zu vereinen. Studios brauchen eine starke kreative Identität, müssen aber auch klar den Wert dieser Vision gegenüber Kunden kommunizieren — und aufzeigen, wie sie mit Ergebnissen und ROI zusammenhängt.
Eine weitere Herausforderung ist, Kunden zu helfen zu verstehen, dass KI und 3D komplementäre Tools sind und keine Ersatzprodukte. Es gibt noch immer das Missverständnis, dass alles sofort und mühelos wird, sobald KI involviert ist — was überhaupt nicht der Realität entspricht.
Hast du eine Veränderung in den Erwartungen der Kunden an Studios im Jahr 2025 bemerkt?
Die grundlegenden Erwartungen haben sich kaum verändert: klares Storytelling, starke Markenausrichtung und kreative Arbeit, die heraussticht. Was sich verändert hat, ist, dass Kunden visuell gebildeter sind und mehr Druck in Richtung Schnelligkeit und Flexibilität besteht — besonders bei Social-First-Content.
Mit welcher Marke oder welchem IP würdest du am liebsten morgen zusammenarbeiten — und in welchem Format?
Definitiv Oysho. Ich liebe ihre Ästhetik, Positionierung und gesamte Markenidentität. Ich würde gerne ein 3D- oder FOOH-Projekt entwickeln, das mit Weichheit, Bewegung und ihrer minimalistischen Bildsprache spielt.
Wie siehst du die Entwicklung von FOOH im nächsten Jahr? Was wünschst du dir, dass mehr Menschen darüber verstehen?
FOOH entwickelt sich zu einem narrativen Format. Es geht nicht mehr nur um visuelle Wirkung — es wird zu einem Tool für Storytelling, Launches und langfristige Markenpositionierung. Ich würde gerne mehr Marken sehen, die FOOH strategisch einsetzen, anstatt nur nach Viralität zu jagen, was zu Wiederholung und Erschöpfung führen kann. Der echte Wert liegt darin, Momente zu schaffen, die bedeutungsvoll wirken und die Markenidentität stärken.
Welchen Rat hast du für Marken oder Creator, die sich heute abheben wollen?
Fang mit Neugier an. Nimm kleine Dinge auf, die dich inspirieren, teste Ideen und hab keine Angst zu experimentieren. Nimm dir dann Zeit, zu analysieren, was funktioniert hat, was nicht und warum. Kreativität wächst durch Beobachtung und Iteration.